Es ist eine Kunst …

… zur richtigen Zeit zu spekulieren

Wertpapier, Collage auf Seidenpapier, je ca. 22 x 30 cm, 70€

Am Tag 6 der Coronik wächst meine momentane Window Shopping Aktion allmählich zu einer Retrospektive heran. Auch nicht schlecht. So kommen meine neueren Kontakte mal in den Genuss auch ältere Arbeiten von mir zu sehen. Die aktuelle Situation hat mich auf die Idee gebracht, nochmal meine Wert-Papiere aus dem Jahr der Finanzkrise 2009 zu würdigen. Die oben abgebildeten befinden sich noch bei mir im Besitz.

Eins der Wertpapiere in Rahmen mit doppeltem Glas.

Tag 6 der Coronik. Die Wert-Papiere bestehen aus Collagen aus einschlägigen Zeitungen (Handelsblatt, Financial Times etc.) auf Seidenpapier mit Monotypien in Acryl. Die Kombination aus Zeitungspapier und Seidenpapier macht die Arbeiten durchsichtig und fragil, sodass sie gut wirken, wenn sie in einem durchscheinenden Rahmen gerahmt sind.

Ich mache mit den Wert-Papieren aufmerksam auf den unterschiedlichen Gebrauch und die vielfältige Bedeutung des Begriffes Wert. Ich schaffe mit meiner Arbeit neue Zusammenhänge und möchte sensibel machen für Wert und Wertigkeit: sei es der Wert an sich (der Gegenstand, das Gut, die nützliche Funktion), der Wert des Papiers bzw. dessen (Wieder-)Verwertung, der Wert der Arbeit oder der Wert des Wertes. Ich habe meine Wert-Papiere nicht an einem organisierten Kapitalmarkt emittiert, sondern habe sie im Rahmen der damaligen Kunstaktion als Spekulationsobjekte zum Kauf angeboten. Eine (vorerst) künstlich erzeugte Wertsteigerung ist dabei von mir im Vorweg eingeplant. Da ich den Begriff Spekulation in meiner Beschreibung benutzte, hat mir damals die Bank, in deren Räumen ich ausstellen wollte, den Termin abgesagt.
Meine Wert-Papiere, gezeichnet und gemalt auf Zeitungspapier einschlägiger Medien, waren zum damaligen Termin mit einem bestimmten Nominalwert ausgezeichnet. Sie sind als meine Wert-Papiere erkennbar durch eine einheitliche Aufmachung, Kennzeichnung mit einer Nummer und Ausweisung des Nennwertes. Mit dem Angebot und Verkauf meiner Wertpapiere verbriefe ich keine Wertsteigerung (normal 😉), sondern setze auf das spekulative Moment, das in Krisenzeiten immer mehr an Bedeutung gewinnt. Am Tag der Eröffnung der Kunstaktion wurden die Papiere zu einem Kurs weit unter ihrem Nennwert von mir emittiert. Im Laufe der Ausstellungsdauer bis zur Abschlussveranstaltung stieg der Kurswert täglich an, was einer Liste auf der Website zu entnehmen war. 

Ein Wertpapier ist per Definition eine Urkunde, die ein privates Recht bescheinigt, wobei die Urkunde das verbriefte Recht sichtbar und nachweisbar machen soll. Im Gegensatz zu Wertpapieren im gebräuchlichen Sinn tragen die von mir ausgegebenen Wert-Papiere nicht ein verbrieftes Recht in sich, sondern haben einen immanenten, geschaffenen Wert. Der Erwerber eines Papiers trägt also nicht einen künstlich erzeugten Wert nach Hause, sondern hat einerseits den Wert, den er selbst dem Kunstwerk beimisst, und kann zudem noch auf eine Wertsteigerung auf dem Kunstmarkt spekulieren.

Über Susanne Kleiber

Dies ist das Blog der Künstlerin Susanne Kleiber. Hier werden Neuigkeiten veröffentlicht wie Ausstellungen, Vernissagen, Finissagen, Wettbewerbsbeteiligungen etc. Es sind nicht nur Arbeitsergebnisse aus dem künstlerischen Schaffen zu sehen, sondern auch einige Ergebnisse aus dem Design.

23. März 2020 von Susanne Kleiber
Kategorien: Beitr | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Wow, die sehen wirklich toll aus. Woher bekommt man sowas? Sieht ja doch irgendwie aus, wie von Kunstauktionen. Könnte mir sowas auch gut in meinem Arbeitszimmer vorstellen, weil es ja Kunstinteresse mit Finanzen verbindet. Gerne noch mehr zu dem Thema! :)

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